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Die dritte Kirche - Der Bau der heutigen Kirche |


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Am Ende des 19. Jahrhunderts wünschte die katholische Kirchenvorsteherschaft den Anbau einer Sakristei an der Ostseite der damals paritätisch genutzten Kirche. Auch der Turm mit dem Geläute wurde als dürftig angesehen. Zudem wurde von vielen ein „schöneres Aussehen“ der eher altertümlich wirkenden Kirche gewünscht. So wurde eine paritätische Kommission ins Leben gerufen. Im Januar 1900 legte Architekt Keller von Romanshorn einen Vorschlag für einen Neubau des Turmes vor wie auch eine neue modernere Bestuhlung im Innern. Der Vorschlag fand keine Mehrheit. Die evangelische Kirchenvorsteherschaft verlangte einen neuen Vorschlag; die katholische hat von sich aus Architekten Rimli von Zürich beauftragt, einen Entwurf zu unterbreiten. Im Mai 1901 wurde der Turmersatz nochmals in Angriff genommen. Der Vorschlag der Architekten Pfleghard und Haefeli befriedigte beide Parteien einigermassen. Das Thurgauer Tagblatt berichtetet am 7. Mai 1901: „Zum ersten male hat gestern in Weinfelden eine paritätische Kirchgemeindeversammlung getagt. [...] Es waren Zweifel an der Solidität der Kirche laut geworden, die nun durch Gutachten dreier Architekten beseitigt werden. Die Kirche, so hiess es, werde in hundert Jahren noch so fest stehen wie heute.“ Nach lebhafter Diskussion sei der Antrag fast einstimmig angenommen worden, wird weiter berichtet. Eine neue Bestuhlung und der Ersatz der Heizung zu Gunsten des Turmneubaus mit einem neuen harmonischen Glockengeläute wurden zurückgestellt.
Drei Monate später, beim Abbruch des Turmes, zeigte sich, dass dieser wirklich in sehr schlechtem Zustand war. Aus heute nicht mehr eindeutig erklärbarem Grund wurde auch das Kirchenschiff einer erneuten Prüfung unterzogen. Das neue Gutachten sagte aus, dass auch der Rest der Kirche sehr baufällig sei. Geeignete Massnahmen zur Sanierung gäbe es nicht. Die beiden Kirchenvorsteherschaften stoppten darum den Turmneubau und prüften nun einen Kirchenneubau. Doch die Vorstellungen und Wünsche beider Konfessionen für einen gemeinsamen Neubau waren nicht unter einen Hut zu bringen. Nicht nur die Kostenaufteilung waren unklar, sondern auch die Gestaltung und Benutzung des Chors, die Taufsteine, die Altäre, die Bestuhlung und nicht zuletzt auch die Benutzungszeiten. Auf beiden Seiten regten sich starke Kräfte für den Bau von zwei Kirchen. Die evangelische Kirchenvorsteherschaft erachtete den Bau einer eigenen Kirche für zeitgemäss und wünschenswert. Nachdem die katholische Kirchenvorsteherschaft, ermutigt durch ihren Bischof, sich auch für einen eigenen Neubau entscheiden konnte, beschlossen die beiden Kirchenvorsteherschaften einstimmig, getrennt zu bauen. Am 1. Dezember 1901 wurde der Abbruch der alten Kirche und je einen eigenen Neubau beschlossen. Am 2. Februar 1902 fand der letzte Gottesdienst in der alten Kirche statt. Am Tag darauf wurde mit dem Abbruch begonnen. Am 13. April 1902 beschloss die evangelische Kirchgemeinde: Die neue Kirche wird gemäss den Plänen der Architekten Pfleghard und Häfeli aus Zürich als Zentralbau erstellt. Nur dieses Projekt erfüllte alle Anforderungen der Kirchenvorsteherschaft . Die neue evangelische Kirche sollte nach den Vorstellungen der Verantwortlichen ein stattlicher Bau sein, der schon von weitem auffällt. Ein erster Entwurf entsprach nicht diesen Vorstellungen. Erst der Vorschlag mit einem mächtigen Turm der Architekten Pfleghard und Häfeli aus Zürich fand Anklang und wurde umgesetzt. Am 10. März 1904, ein halbes Jahr später als bei den Katholiken, fand die Einweihung statt. (Siehe auch Artikel dazu von Walter Hui: Vom freistehenden zum zentralen Turm).
So ist eine Kirche als klassischer Zentralbau entstanden. Vier Pfeiler, die nach alter Kunst mit einem Rundbogen verbunden sind, tragen eine Kuppel. Obwohl diese Baukunst in den südlicheren Ländern schon seit dem 6. Jahrhundert angewendet wurde, war dies die erste Kirche im Thurgau nach diesem Prinzip. Um an den Zentralbau eine Basilika (Langbau) anzubauen, war schlicht kein Platz auf dem kleinen Felsen. So ist der Bau bei jedem Rundbogen durch einen Chor erweitert und mit einer Empore überdeckt worden. Der markante Turm, im oberen Teil in der Form eines Oktogons, steht zentral auf den vier Pfeilern. In dieser Anordnung wirkt die Kirche von allen Seiten beeindruckend und es ist die beste Ausnutzung des für den Kirchenbau zur Verfügung stehenden Baugrundes. Im Innern sticht die Kanzelwand mit den filigranen und wegen ihrer Grösse doch markanten Engeln ins Auge. Die Farbgebung der Bänke und Emporenbrüstungen, die Bemalung der Wände und Decken wie auch die Ausgestaltung der Fenster waren zu ihrer Zeit sehr modern. Der ganze Innenraum wurde im damals akutellen Jugendstil gestaltet und strahlt mit den im Halbkreis angeordneten Bänken sehr viel Wärme aus. Er galt damals als sehr modern und fand seine Anhänger wie Kritiker. |
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