Katrin Nicotera

Adieu

P1080867 (Foto: Richard Häberlin)

Eines meiner Lieblingslieder im Kirchengesangbuch findet sich unter der Nummer 603: «Bleib bei mir, Herr!». In der zweiten Strophe dieses Abendliedes heisst es: «Umringt von Fall und Wandel leben wir. Unwandelbar bist du: Herr, bleib bei mir!»
Richard Häberlin,
Seit einigen Jahren ist viel von Wandel die Rede: Wertewandel in der Gesellschaft, Strukturwandel in der Wirtschaft, vierte industrielle Revolution (Digitalisierung und Globalisierung). Gar nicht zu reden von den grundlegenden Veränderungen, welche die Coronapandemie mit sich gebracht hat und noch bringen wird. Nichts bleibt, wie es war. Dieses Phänomen erzeugt Ängste und Unsicherheit. Und es lässt uns fragen: Was bleibt letztendlich? Was gibt uns Halt angesichts aller Veränderungen?

Ich bin froh, zu wissen, dass einer unwandelbar bleibt: der treue Gott, der sich uns in Jesus Christus offenbart hat. Er bleibt, auch wenn alles einmal dahinfällt (vgl. Hebr. 13,8; Matth. 24,35).

Ein persönlicher Wandel steht für mich Ende dieses Monats bevor. Nach 12½ Jahren endet meine Tätigkeit als Pfarrer der evang. Kirchgemeinde. Am Sonntag, 23. Januar werde ich meinen letzten Gottesdienst halten. Wer weiss, unter welchen (Corona-)Bedingungen...? Meine Frau wird ihre Religionsstunden vorerst noch weiterführen.

Wir waren gerne in Weinfelden. Nirgends auf unserem gemeinsamen Lebensweg lebten wir länger als hier. In Freud und Leid sind wir vielen von euch nahe gekommen, und manche Freundschaften sind in dieser Zeit gewachsen. Gott hat manches entstehen lassen – mit uns, aber auch ohne uns und womöglich sogar trotz uns! IHM möchten wir in erster Linie danken für seinen Segen, den er geschenkt hat. Den Mitarbeitenden danken wir für alle Unterstützung, die wir im Laufe der Jahre erfahren durften. Den Gemeindegliedern danken wir für das Vertrauen, das sie uns entgegengebracht haben. Gleichzeitig möchten wir alle um Vergebung bitten, an denen wir bewusst oder unbewusst schuldig geworden sind.

Pfarrpersonen gehen, Gott aber bleibt. Das sagten schon meine Vorgänger im Amt. Deshalb gilt: Was Sein Werk ist, wird bestehen bleiben. Was Menschenwerk («Pfarrers Werk») ist, darf getrost vergehen!

Möge das neue Jahr uns allen Frieden, Trost und Zuversicht geben!
So wünschen wir euch ein herzliches «Behüt euch Gott!» und sagen hiermit Adieu!

Pfr. Richard und Ingrid Häberlin
Bereitgestellt: 18.12.2021     Besuche: 135 Monat